Beruf Ghostwriter. Das klingt nicht gut. Hier schwingt der Tod mit. Der Tod einer schönen heilen Welt, in der Wissenschaftler mit faszinierenden Vorträgen begeistern, Politiker Emotionen mit Wortgewalt zum Kochen bringen und Manager ihre Aktionäre mit einer Jahrhundertrede auf die Zukunft einschwören. Das alles und noch viel mehr ist nicht so, wie es aussieht. Heerscharen an fleißigen, unscheinbaren, metal perfekt getarnten Ghostwritern schieben Dokumente, Daten und Erkenntnisse vor sich her, klamüsern in stundenlanger Detailarbeit die Essenz der Essenzen aus einem überdimensionalen Haufen an Wissen, Worten und Meinungen und legen dann – irgendwann heimlich um 5 Uhr morgens – ihr Ei, DAS Ei.
Ein Kuckucksei, das wie ein falscher Fuffziger im Nest der Großen und Wichtigen liegt. Unsigniert und anonym, versteht sich. Das Wissen hat offiziell keinen Absender, es kam wie Phönix aus der Asche ins Gehirn des Referenten, der seinerseits so tun muss, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen. Wegen dem Vortrag, SEINEM Vortrag. Nun ja, wenn kümmert´s? Hauptsache, unsere Wissenschaftler, Politiker, Manager, Funktionäre, Drahtzieher und Wichtigmenschen reden mit uns. Wissen, woher es auch kommt, gestaltet die Welt. Diese Illusion muss bleiben. Professor Doktor Mustermann ist eine fachliche Lichtgestalt auf dem Gebiet der Molekularbiologie. Ihn wollen wir huldigen für den Durchbruch, nicht den stummen Wissensgenerator im Hochparterre des schrammigen Altbaus.
Dennoch sei folgendes Gedankenexperiment an dieser Stelle erlaubt: Was wäre, wenn all die stillen, dezenten Ghostwriter plötzlich aufstünden, um eine eigene Macht oder Partei zu gründen? Man stelle sich das vor: Die klügsten Leute ergreifen das Wort, verändern mit ihren Erkenntnissen wissenschaftliche Hochburgen oder betriebswirtschaftliche Grundsätze, machen höhere Mathematik, steuern den Sozialstaat sicher hin zu neuen Perspektiven, motivieren Konzerne und überwinden rein verbal die Krise. Ach nee, vergessen wir´s. Das will jetzt dann doch keiner.


Ein netter Beitrag zum Thema.
Ein Ghostwriter steht nie im Mittelpunkt. Er arbeitet leise und diskret im Hintergrund für seinen Auftraggeber. Ein Akademischer Ghostwriter hat dabei noch den Vorzug, dass er sowohl auf Kunden- wie Mitarbeiterseite mit Akademikern, also auf einem hohen Niveau, arbeiten kann. Ein für mich durchaus angenehmer Nebeneffekt.
Eins darf ein Ghostwriter aber nie erwarten: öffentliche Anerkennung. Wer danach strebt, sollte sich lieber einen anderen Beruf suchen.
Gäbe es keine Ghostwriter müsste man Sie erfinden!
An dieser Stelle ein großes öffentliches Lob an alle guten Ghostwriter;-)