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Sounds strange: Wenn Firmen singen

Wie klingt Philosophie? Welche Melodie haben Werte? Wie wird aus Visionen ein Hit? Am besten, man lässt die Belegschaft singen, denn das motiviert, steigert die Identifikation mit dem Unternehmen, macht stolz, kommt glaubwürdig rüber und schafft eine (wenn auch unfreiwillige) Community-Zugehörigkeit. Seit Menschen Gedenken ist das Intonieren von Werbebotschaften ein gern gehörtes Tool – der ein oder andere Ohrwurm hat sich in unserem Gedächtnis wie Tinnitus festgefressen und wird in Straßenbahnen gepfiffen. Auch Soundlogos wie das von Mercedes – nach meinem Geschmack das wahrscheinlich unpassendste und befremdlichste seiner Art – sind längst in unsere Hörgewohnheiten eingegangen. Und vor allem: Was wäre T-Home-Werbung ohne Paul Potts oder Izzie Obél? Tausend weitere Beispiele stehen für ein angenehmes bis ultranerviges Grundrauschen in unseren Ohren. Doch was bei Obi noch lustig aussieht, wird bei manch anderer Gelegenheit zum Gewaltakt – finanziell, akustisch und sozial … Bei der streitbaren Frage zum Beispiel, ob intonierte Unternehmenswerte oder das zur Firmenhymne vergewaltigte Betriebsklima im Endeffekt mehr schadet als nutzt. Denn, wem nutzt ein solcher Song? Sichtbar wohl fühlt sich wohl kein Controller, wenn er mächtig komplizierten (weil authentischen) Text auf eine eigens komponierte oder gut geklaute Melodie singen muss, denn Sänger ist er in erster Linie nicht. Auch der IT-Spezialist, die Vorstandssekretärin, der Mechatroniker, die Kfz-Azubine – sie alle sehen nicht glücklich aus auf diversen Back- oder Frontstage-Videos übers gemeinsame Firmengesinge. Eine Runde Currywurst mit Pommes für alle plus Freibier wäre villeicht besser gewesen, wäre Mitarbeitermotivation der einzige Anlass für die zum Teil kostspieligen Inszenierungen. Oder Eintrittskarten für Deutschlands Casting-Show Nr. 1 – falls das “Einmal-auf-ner-Bühne-stehen” Vordergrund steht. Ich sage: Zurück in die (gute) Werbung mit der Musik, da will ich sie haben und hören – raus aus den Zielen und Werten mit der Mucke, da macht sie nichts, außer viel Lärm um nichts.

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