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Twitter als Karrieresprung?

Gleich zu Beginn dieses Jahres berichtete die FAZ über die Suche eines amerikanischen Multimedia-Unternehmens nach dem Ideal-Bewerber für den Bereich “Neue Medien”: Uni-Abschluss, Führungserfahrung und … eigenartige 250 Followers im Social Network Twitter. Was in den USA insbesondere in Berufsfeldern rund ums Marketing keine Seltenheit mehr sei, würde, so der FAZ-Autor, demnächst auch zum guten Arbeitgeber-Ton deutscher Unternehmen gehören. Die Teilnahme am “Mitmachnetz” sei schließlich nicht mehr nur eine Option für die Freizeit – Personalverantwortliche würden zunehmend bestätigen, dass die Kompetenz der Bewerber in sozialen Medien wie Twitter durchaus eine Rolle bei der Auswahl spiele. Kompetenz?

Heute beispielsweise kann ich bei Twitter unter den beliebtesten Themen “Follow Friday” auswählen. Und dann bin ich im Sekundentakt Zeuge von Meldungen wie “Follow Friday … Because they’re the real ones and I LOVE that they’re on twitter” oder “my water workout inspiration peeps … always helping me and inspiring me!” oder “Oh yeah. Follow Friday … Follow me Bitches” … und so weiter. Eine schier endlose Wüste an Wort-Müll. Oder hab ich da etwa was verpasst und Greenpeace sucht über den Code-Namen “Friday” Sympathisanten? Also schreibe ich auch mal “Follow Friday”, wobei Twitter 123 neue Tweets (also Beiträge) meldet, noch während ich schreibe. Soziale Kompetenz?

Zurück zur FAZ. Selbstverständlich ist insbesondere für Jobs in Marketing, Kommunikation, IT, Trendscouting, Strategie und Vertrieb eine deutliche Aufgeschlossenheit gegenüber Twitter, Facebook, XING & Co. unverzichtbar. Auch versteht sich von selbst, dass jemand, der in einem Unternehmen explizit für die Kommunikation mit der Zielgruppe “Hochschulabsolventen” zusändig sein soll, sich höchst versiert in sozialen Netwerken bewegen kann und vor allem die Wirkmechanismen der Plattformen und Verlinkungen untereinander kennt – Stichwort SEO. Nun ist ja aber beispielsweise SAP auch kein Web-2.0-fernes Unternehmen. Doch der dort verantwortliche Recruiting-Chef Nick Johnston macht laut FAZ durchaus gewisse Einschränkungen in der Bewertung von allzu ungebremstem Social-Media-Wahn: In den Führungsetagen, so meint er, bevorzuge man doch eher Diskretion. Also ist Diskretion das Gegenteil von Twitter?

Bei den Twitter-Mitarbeitern selbst reicht die Range der jeweiligen Followers übrigens auch von “nur knapp über 250″ bis hin zu vielen Hunderttausenden pro Mann – fast wie im richtigen Leben. A propos: Wenn man stirbt, wer löscht dann die Daten aus Facebook, Twitter und so weiter? Heute habe ich folgende Antwort darauf gefunden: BILD meldet, dass man bei der Schwedin Lisa Granberg ein “digitales Testament” hinterlassen kann. Unter www.mywebwill.se kann man dann die ganzen mühsam aufgebauten Netzwerkaktivitäten, Followers und virtuellen Profile wieder löschen, wenn man will – und den Zeitpunkt des eigenen Ablebens richtig einschätzt. Oh! Gut zu wissen.

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