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Susanne Hollmann am Donnerstag, 30. April 2009 - Kommentare (3)

1000 Zeichen Hoffnung (3)

Recht hat er: Olaf Kolbrück (Blog-Parade: 1000 Zeichen Hoffnung)
kann es nicht mehr hören: Wirtschaftskrise, Konsumflaute, Insolvenzen, Korruption, Schweinegrippe – schlechte Nachrichten im 24-Stunden-Rhythmus. Kein Hunger leidendes Somalisches Kleinkind kann uns aus unserem Selbst-Mitleid retten, kein Erdbeben, kein Blutvergießen im Gaza-Streifen, kein „Dort-ist-es-noch-schlimmer“-Trostpflaster. Es geht uns wirklich schlecht, und das mit großem Fleiß. Denn endlich ernten wir jetzt globales Verständnis für unsere seit Jahren geübten Verhaltenstörungen wider jeder Spontaneität. Und wir erhalten Zuspruch für all die Entscheidungen, die wir im Hinblick auf die Krise derzeit nicht treffen können. Nein, jetzt investieren wir lieber nicht, jetzt warten wir erst mal ab. Jetzt sparen wir besser mal alles, was wir nicht besitzen. Jetzt reden wir nicht über Ideen, sondern über Effizienz. Effizienz ist immer gut. Wir verschieben präventiv alle Termine auf den Herbst (Herbst ist immer gut), denn nichts kann momentan so wichtig sein wie die eigene Angststarre. Die General-Ausrede „Krise“ gilt für alle Lebensbereiche. Urlaub, Scheidung, Job-Wechsel, Hausbau, Autokauf, Zahnsanierung, Fitness-Studio, Vertriebsoffensive, Corporate-Design-Manual, Karriereleiter, Preisausschreiben, Innovationen – ach nee, jetzt nicht. Okay, dann warten wir. Auf was? Hier mein ganz persönlicher Beitrag zu „Etwas mehr als 1000 Zeichen Hoffnung“:

Als ich meinen Vater Samstagabend das letzte Mal sah, sagte er „Also dann, bis morgen“. Wenige Stunden später war er tot. Ohne es zu wissen, hatten er und ich die Hoffnung auf ein Morgen, das es nie gab. So habe ich – gewissermaßen ahnungslos – die Zeit mit jenen banalen Dingen verbracht, die man so macht, wenn nichts Wichtigeres ansteht: essen, telefonieren, fernsehen, schlafen, Katze füttern. Was hätte ich gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass der Tod so unmittelbar bevor steht? Ja, ganz sicher wäre ich länger in der Klinik geblieben, hätte noch mehr geredet und jede Sekunde aufgesogen und genutzt. Doch wenn ich ehrlich bin: Ich hätte in dieser ganz speziellen Krise auch nichts mehr richten können, was nicht vorher schon in Ordnung gewesen wäre. Nein, ich hätte keine so lange und intensive Beziehung in wenigen Stunden aufbauen, pflegen, wertschätzen oder verbessern können. All dies war vorher längst geschehen. Und das erfüllt mich – trotz des unbeschreiblich großen Verlustes – mit einer gewissen Ruhe.

Dagegen ist unser Alltag ein tosender Tsunami. Peng, da ist die Krise, und jetzt müssen wir hektisch alles retten, was zu retten ist. Müssen wir nicht, können wir nicht. Wir können nur sehen, was wir in Zukunft unbedingt mal geordnet haben möchten. Und wir können uns genau jetzt überlegen, was uns schon immer nervt, hindert, blockiert und belastet. Das packen wir dann an und bringen es vorsorglich mal in Ordnung, Krise hin oder her. Dann könnten wir vielleicht heute mit einer heilsamen Sorglosigkeit sagen „also dann, bis morgen“ – und hätten zumindest wieder ein paar Stunden voller Hoffnung gewonnen.

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3 Kommentare

  1. Uli sagt:

    @Susanne: zu Deinem Beitrag fällt mir noch folgende Geschichte ein (und da ist was Wahres dran)

    Die Geschichte vom Blumentopf und dem Bier
    Ein Professor stand vor seiner Philosophie-Klasse und hatte einige Gegenstände vor sich. Als der Unterricht begann, nahm er wortlos einen sehr großen Blumentopf und begann diesen mit Golfbällen zu füllen. Er fragte die Studenten, ob der Topf nun voll sei. Sie bejahten es.

    * Dann nahm der Professor ein Behältnis mit Kieselsteinen und schüttete diese in den Topf. Er bewegte den Topf sachte, und die Kieselsteine rollten in die Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.
    * Der Professor nahm als nächstes eine Dose mit Sand und schüttete diesen in den Topf. Natürlich füllte der Sand den kleinsten verbliebenen Freiraum. Er fragte wiederum, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig: »Ja.«
    * Der Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor und schüttete den ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.

    »Nun«, sagte der Professor, als das Lachen langsam nachließ, »ich möchte, dass Sie diesen Topf als die Repräsentation Ihres Lebens ansehen.

    * Die Golfbälle sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die bevorzugten, ja leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem noch erfüllen würden.
    * Die Kieselsteine symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, Ihr Haus, Ihr Auto.
    * Der Sand ist alles andere, die Kleinigkeiten.«

    »Falls Sie den Sand zuerst in den Topf geben«, fuhr der Professor fort, »hat es weder Platz für die Kieselsteine noch für die Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen Dinge. Achten Sie auf die Dinge, welche Ihr Glück gefährden. Spielen Sie mit den Kindern. Nehmen Sie sich Zeit für eine medizinische Untersuchung. Führen Sie Ihren Partner zum Essen aus. Es wird immer noch Zeit bleiben, das Haus zu reinigen oder Pflichten zu erledigen. Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand.«

    Einer der Studenten hob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren solle. Der Professor schmunzelte: »Ich bin froh, dass Sie das fragen. Es ist dazu da, Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es immer noch Platz hat für ein oder zwei Bierchen.«

  2. Susanne Hollmann sagt:

    @uli
    Sehr schön, Uli, das ist wirklich eine klasse Geschichte. Eigentlich Hoffnung pur. Danke!

  3. Kristin sagt:

    wirklich schön ;-) Immer wenn mir mal die Hoffnung ausgeht, werd ich die Geschichte lesen und an Deine Ausführung zurückdenken.

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