Ein honoriger Landespolitiker will „retten, was zu retten ist“ und den Slogan „einstampfen.“ Ein Einzelhändler warnt vor „Schaden für die Einkaufsstadt.“ Einige Kommentatoren im Internet werden ausfallend und beleidigend. Haltlose Unterstellungen greifen Raum. Ein Würzburger Insolvenzverwalter kommentiert den Slogan mit den Worten: „Dieser Spruch spaltet Würzburg, spaltet Deutschland und spaltet Europa!“
Woher kommt diese enorme Emotionalität?
Ist es der Begriff „Provinz,“ der vielen so gefährlich und bedrohlich erscheint, dass sie vollends die Fassung verlieren?
Fakt ist: Die Art und Weise, wie teilweise argumentiert und taktiert wird, befremdet.
Denn um was geht es eigentlich?
Die Würzburg AG will ihren Beitrag dazu leisten, das Potenzial der Stadtregion Würzburg auszuschöpfen. Sie hat ein Konzept erarbeitet. Profil und Positionierung lauten die Schlüsselbegriffe des Briefings. Soweit es das Ehrenamt zulässt, wurden nach professionellen Vorgaben eine Strategie und ein Kreativ-Vorschlag erarbeitet. Strategie und Konzept wurden immer wieder öffentlich präsentiert und diskutiert. Von Anfang hat man einen offenen Prozess gewählt. Alles lief ohne Diktat, Einschränkung, Ausgrenzung oder Zwang. Niemand wurde persönlich angegriffen oder beleidigt. Es wurde ein Slogan vorgestellt, mehr nicht. Und jetzt?
Jetzt wird die Auseinandersetzung zum Prinzip, statt das konstruktive Etwas-Miteinander-Bewegen-Wollen. Da hilft dann auch kein nettes Gespräch unter Geschäftsleuten mehr, da hilft nur noch die breite öffentliche Kompetenz.
Deswegen wird es nun einen Kreativ-Contest auf einer Internetplattform geben (mehr dazu nach Ostern), um der ganzen Diskussion mal wieder eine positive Färbung zu geben.
Positiv? In einem Interview in der Main-Post antwortet die ZDF-Moderatorin Patricia Schäfer kürzlich auf die Frage: „Provinz auf Weltniveau – Was halten Sie davon?“
„Das finde ich sehr schön, weil es so unfreiwillig komisch ist. Nach dem Motto: So provinziell wie wir, ist niemand. Wir sind Provinz auf Weltniveau! Das find ich klasse.“
Positiv, oder? Nein, denn man kann sogar an positiven Dingen etwas wirklich Negatives finden:
„(…) Selbst wenn die Würzburger dazu stehen sollten, Provinz zu sein, muss dies noch lange nicht positiv draußen ankommen!“
Dieses Zitat stammt vom besagten Landespolitiker, und bedarf keines weiteren Kommentars.
Demnächst, so viel steht fest, geht die Provinz auf Weltniveau in eine neue Runde.


[...] oder die Kunst sein Glück zu machen” – Schauspiel von Friedrich Schiller. Der Slogan “Provinz auf Weltniveau” wird im Bühnenbild und Text ironisiert. Die Main-Post schreibt: Schauspieldirektor Bernhard [...]
[...] schon vor langer Zeit erkannt hat, das der Slogan polarisiert, auf die Kritik mit der üblichen Befremdung und setzt auf das Prinzip des kleinsten Übels Man befinde sich mitten in einem Prozess und sei [...]
Hier z.B. scheint Niveau Geschmacksache zu sein: http://www.liveh8.de/?p=6422
Ist das unfreiwillige Komik, ausgerechnet bei diesem Blogbeitrag Niveau zur Geschmacksache zu erklären?
@Alex: Nur wenn Sie mit “diesem Blogbeitrag” diesen meinen: http://www.liveh8.de/?p=6422
:D Sie haben die Doppeldeutigkeit erkannt…
@Alex: Mit Verlaub: Was bringt uns das gewohnte Ping-Pong um Begrifflichkeiten? Wen interessiert das? Sicher ist auch dieser – wie jeder – Blogbeitrag samt Niveau Geschmackssache. Ja, und jetzt? Bereichert diese Erkenntnis die aktuelle Diskussion um “Provinz mit Weltniveau” und wenn ja: inwiefern? Sorry, aber ich bin kein Ping-Pong-Insider …
Liebe Mitstreiter für den Fortschritt in Würzburg,
auch wenn die Protagonisten dieser Kampagne gerade den Würzburgern sprichwörtlich zum Fraß vorgeworfen werden, bleibt doch die Erkenntnis, dass diese Debatte sehr fruchtbar für unsere Stadt ist und bleibt. Deshalb müssen wir diese auch führen. Vielleicht fällt ja irgendjemandem ein besserer Slogan ein, der für alle tragbar ist. Allerdings hätte dieser dann auch wahrscheinlich, bei den üblichen Würzburger Befindlichkeiten, alle Ecken und Kanten verloren. Gerne diskutiere ich weiter mit.
Glückwunsch aber nochmal an dieser Stelle zum “Würzburger Landhausstil”. Das finde ich echt klasse. Ein bisschen mehr Selbstironie würde uns allen sehr gut tun!
Beste Grüße CK
> Woher kommt diese enorme Emotionalität?
Hallo Frau Hollmann,
es wirkt auf mich etwas befremdend, dass Sie diese Frage stellen und Sätze schreiben wie …
> Fakt ist: Die Art und Weise, wie teilweise argumentiert und taktiert wird, befremdet.
Die Würzburg AG hatte doch dazu aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Wenn Ihnen nun „enorme Emotionalität“ entgegenschlägt, und das seit Monaten, dann zeigt das doch, dass mit der Kampagne möglicherweise etwas nicht stimmt. In der Mainpost wird Herr Schneider im Bezug auf den Slogan zitiert: “Nur bislang ist nichts besseres gekommen“. Dennoch sind in diversen Blogs ein paar Slogans und andere Vorschläge aufgetaucht. Diese wurden allerdings von Ihrer Seite m.W. nicht kommentiert (oder hab ich da was übersehen?).
Selbst wenn diese Vorschläge in Ihren Augen den Anforderungen nicht genügten, hätte man den Beteiligten ein kurzes fachliches Feedback geben können, weshalb die Vorschläge nicht geeignet sind.
> Ein honoriger Landespolitiker will „retten, was zu retten ist“ und den Slogan „einstampfen.“
Das ist in meinen Augen ein sehr weites Entgegenkommen des honorigen Landespolitikers. Ich würde weder das Verständnis noch den guten Glauben aufbringen, an der Kampagne irgendetwas zu retten.
> Ein Einzelhändler warnt vor „Schaden für die Einkaufsstadt.“
Vermutlich hat er ein gutes Gespür.
> Einige Kommentatoren im Internet werden ausfallend und beleidigend.
Wenn mir jemand über ein halbes Jahr hinweg ein Essen aufdrängt, das mir nicht schmeckt, dann werde ich auch ungemütlich. Und Kinder, denen man einen Pullover anzieht, der am Hals kratzt, werden es auch.
> Ist es der Begriff „Provinz,“ der vielen so gefährlich und bedrohlich erscheint, dass sie vollends die Fassung verlieren?
Die meisten Kommentare, die ich hierzu gelesen habe, erscheinen mir eher der Ausdruck eines gesunden Menschenverstandes zu sein.
> Die Würzburg AG will ihren Beitrag dazu leisten, das Potenzial der Stadtregion Würzburg auszuschöpfen.
Das ist ja eine ehrenwerte Absicht. Doch dazu muss man Würzburg doch nicht in ein Korsett pressen, das es aus gutem Grund nicht tragen will.
> Strategie und Konzept wurden immer wieder öffentlich präsentiert und diskutiert. Von Anfang hat man einen offenen Prozess gewählt.
Stimmt. Allerdings wirkt die Prozedur auch ein bisschen so, als würde man einer Frau stundenlang beim Schminken zuschauen. Passend zum Slogan könnte diese Frau ungefähr folgendermaßen aussehen: ca. 17 Jahre alt, hat einen begrenzten Horizont, schminkt und kleidet sich wie ihr Idol in Hollywood und hört auf den Namen Jacqueline – gesprochen: Dschaggelinn.
> Alles lief ohne Diktat,
> Es wurde ein Slogan vorgestellt, mehr nicht.
Stimmt nicht so ganz. Der Slogan wurde nicht nur vorgestellt, es wird seit einem halben Jahr versucht, ihn zu verkaufen. Wenn jemand ein halbes Jahr lang immer wieder an meiner Tür läutet, um mir etwas zu verkaufen, was ich nicht möchte, dann empfinde ich das als Nötigung.
> Jetzt wird die Auseinandersetzung zum Prinzip, statt das konstruktive Etwas-Miteinander-Bewegen-Wollen.
Auch das stimmt nicht, zumindest was den ersten Teil des Satzes betrifft. Es hat nichts mit Prinzipienreiterei zu tun, wenn jemand einen Slogan vehement ablehnt, weil er einen Schaden für sich befürchtet.
> Da hilft dann auch kein nettes Gespräch unter Geschäftsleuten mehr, da hilft nur noch die breite öffentliche Kompetenz.
Was möchten Sie denn damit zum Ausdruck bringen?
Dass nur Geschäftsleute fähig und befugt sind, einen Slogan zu beurteilen?
Und dass die breite Öffentlichkeit (die Sie selbst mit einbezogen haben) inkompetenter ist?
Gerade im Hinblick auf einen Stadt-Slogan, der ja die Persönlichkeit einer Stadt widerspiegeln soll, wäre das eine merkwürdige These.
> „(…) Selbst wenn die Würzburger dazu stehen sollten, Provinz zu sein, muss dies noch lange nicht positiv draußen ankommen!“
> Dieses Zitat stammt vom besagten Landespolitiker, und bedarf keines weiteren Kommentars.
Die Aussage des Politikers ist ja nicht falsch. Entscheidend ist doch, welche Schlüsse man daraus zieht.
> In einem Interview in der Main-Post antwortet die ZDF-Moderatorin Patricia Schäfer ……
> … „Das finde ich sehr schön, weil ….
Zu dieser Argumentation erspare ich mir den Kommentar.
Nach meiner Einschätzung haben Sie sich mit der Kampagne etwas verrannt. So etwas kommt schon mal vor und ist menschlich. Was die ganze Angelegenheit jedoch zu einer Realsatire werden lässt, ist die Art, wie Sie in einer Sackgasse gegen Wände anrennen. Selbst wenn Sie es schaffen sollten, die Wände zu durchbrechen, werden Sie für Würzburg dahinter m.E. nichts Förderliches entdecken.
Bedenken Sie: Obwohl Sie schon seit Monaten für den Slogan werben, wird er überwiegend abgelehnt. Wenn der Slogan nicht einmal die Kraft hat, für sich selbst zu sprechen, wie soll er da für Würzburg sprechen können und etwas Positives bewirken?
> Demnächst, so viel steht fest, geht die Provinz auf Weltniveau in eine neue Runde.
Bitte nicht die „Provinz auf Weltniveau“. Und „Runde“, das hört sich an wie Boxkampf. Wer soll denn da der Verlierer sein?
> Deswegen wird es nun einen Kreativ-Contest auf einer Internetplattform geben (mehr dazu nach Ostern), um der ganzen Diskussion mal wieder eine positive Färbung zu geben.
“So, Kinder, jetzt holt mal Euere Scheren und Malstifte heraus! Wir basteln uns heute ein Image. Weiß denn von Euch jeder, was ein Image ist? … Wer weiß es nicht, bitte mal Hand heben …“
Jetzt mal ohne Scherz: Finde ich prinzipiell gut. Doch da Sie die ganze Angelegenheit zu einem offenen Prozess gemacht haben, wäre eine Abstimmung schon vor Monaten die sinnvollere Lösung gewesen.
Mein Vorschlag: Machen Sie ein schönes Gesellschaftsspiel draus und schreiben Sie drüber „Wir basteln uns ein Image, Lernspiel für Kinder zwischen 6 und 106“.
Ja, das könnte ganz lustig werden. Und ganz Deutschland schaut beim Basteln zu und vergisst dabei völlig die Wirtschaftskrise.
Wie sähe das eigentlich aus, wenn Grundschüler ein Würzburg-Image basteln und dann ihre Bastelarbeiten überzeugend erklären würden, wie Buena la Vista seinen Slogan?
ich glaube das problem ist das würzburg weder weltniveau besitzt noch provinz ist.
es ist nicht beides, sondern keins von beiden.
daher wahrscheinlich die ablehnung.
@Ledermann: Ohne ins Detail zu gehen: Wetten, dass Ihr Sloganvorschlag “Wissen, Wein und Weltkultur” von keinem kritisiert und abgelehnt wird! Er wird allen gefallen, weil er gefällig ist. Niemand wird dazu so schöne Geschichten schreiben wie Sie es in Ihren Kommentaren tun. Niemand wird sich aufregen und behaupten, dass er Würzburg, Deutschland und Europa spaltet. Keine Agentur wird aus Protest eine Anzeige schalten. …