Auch der 1. ADC BRANDS AND IDEAS CONGRESS (ADC BIC) in Berlin mit den führenden Köpfen der Deutschen Werbung konnte nicht verhindern, dass der DAX heute fast 5 % weiter nach unten gerutscht ist. Dafür, dass Deutschland in einer tiefen Finanz- u. Wirtschaftskrise steckt, präsentierten sich die selbsternannten „Kreativen Markenführer“ ganz schön locker. Dass hinter der coolen Fassade der Kassaeis, von Matts und Turners die Nerven kitzeln, konnten sie aber nicht ganz verbergen. Selbst der ADC-Vorsitzende und CEO einer der größten Agenturen in Deutschland, Sebastian Turner, gibt auf dem Podium zu, dass sich seine Agentur mit dem „Transformationsprozess“ weg von der klassischen, hin zur integrierten u. digitalen Werbung schwer tut: So braucht halt der Umbau des schwerfälligen Dampfers in eine Flotte von Schnellbooten seine Zeit. „… und die Berater wurden mit den falschen Anreizsystemen dazu motiviert, die herkömmliche klassische Werbung bevorzugt zu verkaufen!“ Diese Äußerung unter dem Veranstaltungsthema: „Leading Brands In Digital Times“ war für mich die Apokalypse der Klassischen Werbefraktion.
Falsche Anreizsysteme! Deswegen also all die Jahre die polemische Kritik der etablierten Agenturen an Neuen Medien und Web 2.0. Es ging dabei nur um die Pfründe der Berater?
Das erinnert mich an die Subprime-Krise in den USA: Das Anreizsystem der Finanzberater war die Abschlussprovision. Da konnte die Kreditsumme nach dem Motto: „Kann es noch etwas mehr Hypothek sein!“ nicht hoch genug sein.
Heute in Berlin haben zwei der „Investment-Werber“ aus den großen deutschen Reklame-Instituten ein ganz schwaches Bild abgegeben. Neben Herrn Turner blamierte sich auch Amir Kassaei, CMO bei DDB. Er predigte missionarisch die heiligen Worte, die vor drei Jahren schon alt waren. Er verabschiedete mit dem Mut der Verzweiflung die alte Welt, die aber schon seit vielen Jahren beerdigt ist. Als hätte er heute Nacht die Erleuchtung empfangen, gab er den Erlöser mit den Worten: „Relevanz, Content, Neue Medien, etc.“. Dieser peinliche Auftritt war für mich ein Indiz dafür, dass einige der großen Agenturen in den letzten Jahren geschlafen haben und nun mit einem Kater aufwachen. Party is over, dear friends! Ich bezweifle, ob sie es verstanden haben. Herr Turner meinte jedenfalls, dass sich nichts geändert hat, außer, dass die Feuerwehr ein größeres Feuer löschen muss!? Nico Lumma twittert dazu:
„Die Werber denken, sie haben das Licht gesehen, dabei stehen sie in einem dunklen Raum mit einer Taschenlampe ohne Batterien.“
Was mir noch aufgefallen ist: Der Begriffscontainer Web 2.0 ist nur einmal und das erst am späten Nachmittag gefallen. Das unumstrittene Buzzword des Tages war: „Relevanz“. Sogar von „Relevanzierung“ war die Rede. Vorsicht vor jedem Werbeschaf, das diesen Begriff auffällig oft in den Mund nimmt. Es könnte ein klassischer Wolf sein.
Vielleicht wird die Veranstaltung in den Fachmedien hoch gelobt werden. Ich jedenfalls bin aus dem Umspannwerk Kreuzberg raus und hatte den Verwesungsgeruch in der Nase. Die Zeiten der Ewig-Gestrigen sind nun hoffentlich endgültig vorbei. Die Investment-Werber in den großen Agenturen haben sich entlarvt. Vielleicht wird Herr Turner jetzt seine Anreizsysteme anpassen. Ich bin jedoch guter Hoffnung, dass das Werbegeschäft nun endlich echter, ehrlicher und erfolgsorientiert wird. Die Realwirtschaft braucht jetzt reale und reelle Agenturpartner. Werbung braucht Substanz!
Außerdem sei mitgeteilt, dass es fast bei jedem Redner Probleme mit der digitalen Technik gegeben hat. Happy digital times, good old ad-world!


[...] war, von diesen Reklame-Vertretern schlecht geredet wurde. Einige selbsternannte Ober-Kreative sehen diesen Fehler inzwischen nicht nur ein, sondern geben das Fehlverhalten auch offen zu. [...]
Ich fürchte das Schlimmste ist, dass sich diese Herren (bzw. ihre Praktikanten) und ihre Agenturen ihr Know How nun kostenlos aus vielen “Klowänden” gezogen haben, so wie es heute auch ab und an die Journalisten tun, die gestern noch über Blogs & Co gewettert haben. Die Informationsassymmetrie neigt sich dem Ende entgegen, Berater-Blender enthront und morgen entscheidet sich hoffentlich, wer das Thema wirklich in sich aufgesogen hat oder wer nur von anderen abschreiben lässt, um den Leuten am Ende dann doch wieder Bullshit zu verkaufen.
Hier übrigens eine aktuelle Statistik von Allensbach bzgl. Onlinenutzung: http://www.spiegel.de/netzwelt.....72,00.html
Ein freundlicher Beitrag zur Veranstaltung bei Martin: http://www.connectedmarketing......r-gro.html
Der Hauptgrund für das “falsche Anreizsystem” war:
Mit dem Anreizsystem online und Web 2.0 klo verdient sich’s nich so gut. Die Gewinnmargen sind deutlich kleiner, es wird schwieriger, dazu sind die Lerninvestitionen hoch.
Das wussten sie, daher haben sie sich lange gesträubt, daher haben sie geschmäht.
Nein, kein Angst, es reicht nicht für sie, jetzt einfach nachzuschauen, was die Klowände so an Ideen geschrieben haben. Damit kommen sie nicht rum. Sie müssen eigene Erfahrungswerte sammeln und dazu sind sie verdammt spät dran und hinterher. (Wie die Verlage auch.)
Hier gibt es die Quittung für die Investmentwerber: http://www.horizont.net/aktuel.....m=RSS-Feed