Es wunderte mich schon immer, dass die Diskussion über das Internet ziemlich frei vom Thema Umweltschutz ausgetragen wurde. Bis jetzt war ich der Meinung, dass die Umwelt durch das digitale und papierlose World Wide Web geschont wird. Heute muss ich in der WELT lesen, dass das Internet der wahre Klimakiller ist.
Wie immer ist ein gesundes Maß an Skepsis angesagt, wenn ein Offline-Medium über das Online-Medium berichtet. Wie beim Müll, sollten wir m. E. bei diesem Thema trennen in:
1. Die Herstellung der Informationstechnologie und Datenträger, d. h. Hardware, Server etc. auf der einen Seite und Papierherstellung, Druckmaschinen etc. auf der anderen Seite
2. Die Logistik der papierlosen Information von Rechner zu Rechner, im Vergleich zum herkömmlichen physischen Vertriebsweg über Printprodukte
Eine übergreifende, objektive Öko-Bilanz, die nicht kommerziell gefärbt ist, gibt es meines Wissens noch nicht. Das eigentliche Problem liegt meines Erachtens darin, dass wir heute in einer Parallelwelt leben. Wir nutzen sowohl Offline- wie Online Informationen gleichermaßen. Ein schlechtes Beispiel liefere ich mit diesem Beitrag selbst: auf den Artikel, den ich in der Printausgabe der WELT gefunden habe, reflektiere ich hier im Internet.
Ein “sowohl Offline als auch Online” ist für die Umwelt schwer zu verdauen. Das “endweder oder” akzeptiert der Mensch nicht (noch nicht). Ich hoffe für die Umwelt, dass die Parallelwelt nur eine kurze Übergangsphase bleibt. Wer an der liebgewonnnenen Zeitung festhalten will, sollte beachten, dass die Fragen: “Laptop oder Druckmaschinen? E-Paper oder Zeitung?” auch und vor allem eine Frage der Umwelt ist.
