Warum begrenzt sich die Doping-Diskussion ausschließlich auf den Sport? Fragt sich eigentlich keiner was in der Musik, im Theater, in der Politik oder im Management geschluckt und gespritzt wird, damit Spitzenleistungen erbracht werden? Doping ist längst ein gesellschaftliches Problem.
Zeigen wir nicht mit dem Finger auf andere und tun wir nicht so, als hätten wir in unserer Gesellschaft nichts mit den asozialen Leistungs-Junkies des Sports zu tun.
Dieses Zitat stammt aus dem Trendspot #51 des Zukunftsinstituts zum Thema Smart Drugs. Dieser Podcast zeigt eindrucksvoll auf was die “Apotheken-Tour” über unsere Gesellschaftsideale verrät. Ich frage mich, ob Smart Drugs die Vorboten des 6. Kondratjew-Zyklus sind? Leo Nefjodow hat diesen Zyklus mit der Konjunktur der “Psychosozialen Gesundheit” prognostiziert.
Schon heute beträgt der globale Markt für die Smart-Drugs rund 60 Mrd. Dollar. Doch die Karriere der Smart-Drugs beginnt erst: In einer Welt, die den Menschen immer mehr körperliche und geistige Hochleistung abverlangt, erwarten Pharma-Analysten eine Verdreifachung der Umsätze in den nächsten 25 Jahren. Quelle Zukunftsinstitut
Das klingt nach: “Doping makes the world go round!”
Nachtrag: Die Rolle der Medien bei der diesjährigen “Apotheken-Tour” wird bei Stefan Niggemeier diskutiert.


Ich nehme an, der Grund dafür, dass man gerade im Sport mit dem Finger auf Dpoing-Sünder zeigt, ist der, dass man Sport mit Gesundheit und Sauberkeit verbindet. Gestählte Saubermänner und -Frauen nehmen alle denkbaren Entbehrungen auf sich, um irgendwann auf dem Siegerpodest zu stehen.
Alle anderen durch “Doping” gefährdeten Branchen wie Muisk, Film und Theater haben ohnehin schon einen teilweise schlechten Ruf. Nein, es gehört schon fast zum guten Ton oder man erwartet es nicht anders.
Politik und Management standen, was die Zuhilfenahme verbotener Substanzen angeht,bislang noch nicht so sehr im Rampenlicht. Aber entweder arbeiten dort die Hochleistungsathleten eher im Verborgenenen oder das Problem wird nach allen Regeln der Kunst verborgen.
Sind wir doch einmal ehrlich zu uns selbst:
Alkohol ist von keiner Feierlichkeit wegzudenken – weder auf offizielle Feiern noch auf rein privaten. Alkohol ist schließlich auch eine Droge. Es wird nur selten so betrachtet. Hat schon einmal jemand einen Weinhändler als Dealer bezeichnet? Fallen manche Leute nicht vor Ehrfurcht auf die Knie, wenn jemand sich so richtig gut mit Wein oder Whiskey auskennt – vielleicht sogar einen ungeheuer großen Weinkeller sein eigen nennt? Der nennt sich kultiviert.
Oder ein Mann wirde wegen seiner Trinkfestigkeit repsektiert. Keiner würde sagen, er ist Alkoholiker.
Der Alkohol hilft vielleicht nicht die Leisung zu verbessern, aber angeblich die Stimmung. Vielen hilft er, zu vergessen. Manchen bietet er die Möglichkeit, das was ihn wurmt, einfach nicht mehr so ernst zu nehmen und es an sich heran zu lassen. Wie es zum Beispiel beim gestressten Politiker oder Manager der Fall sein dürfte.
Von anderen Wegen des drogenunterstützen “Vergessens” ganz zu schweigen.
Wenn man einmal genau nachdenkt:
Seitdem sich Wirtschaft und Management mit großen Geldbeträgen und den damit verbundenen Ansprüchen so sehr in den Sport gedrängt haben, ist es erst richtig drastisch geworden. Es werden unmögliche Leistungen gefordert. Die Sportler haben kaum eine andere Wahl. Warum sollte man als Sportler das Risiko eingehen und sich dopen, wenn doch jeder mittlerweile so genau hinschaut? Da muss man doch erwischt werden. Es ist scheinbar pure Verzweiflung.
Wie komme ich darauf?
Thiathlon – kaum zu glauben – war einmal ein sehr sauberer Sport. Es traten Profis gegen Amateure an. Man machte es zum Vergnügen oder um sich etwas zu beweisen . Seitdem der Sport zu solch einem großen Publikumsmagneten wurde und sich immer mehr Sponsoren dafür interessierten, wurden auch schon die ersten Dopingfälle bekannt. Es ist traurig.