Im Marketing kommt keiner mehr ohne professionelles Projektmanagement aus! Die Frage, die ich mir dabei stelle, ist: “Kann bzw. darf der Projektleiter* über das strategisch-konzeptionelle Denken hinaus auch kreativ sein?”
1. Kann er? Da nach meiner Auffassung jeder Mensch kreativ ist, bezieht sich das Können nicht auf die Fähigkeit, sondern auf die Kapazität. Also, hat der Projektleiter neben seinen Managementaufgaben, wie z.B. Planung, Kommunikation, Führung und Steuerung, noch die Zeit und Muße selbst Ideen für Maßnahmen, Texte und Bilder zu finden? Oder versinkt er so tief im Tagesgeschäft, dass er die Ideenfindung mit seinem letzten Atemzug nur noch delegieren kann?
2. Darf er? Ist es dem Projektverlauf, quantitativ u. qualitativ betrachtet, überhaupt dienlich, wenn der “Cheffe” seine Leute mit spinnerten Ideen durcheinander bringt?
Bei der Beantwortung der Fragen fange ich hinten, d.h. beim Dürfen an. Ich bin der Meinung, dass der Projektleiter selbst nicht nur kreativ sein darf sondern sogar muss! Allerdings nur unter der Bedingung, dass er den kreativen Prozess kennt und berücksichtigt. Wenn er nämlich 1000 Ideen aktionistisch ins Team wirft, dieses Team aber erst noch in der Inkubationsphase ist, brennt die Luft. Außerdem ist die Gabe der Teamfähigkeit und ein hohes Maß an Toleranz gefordert.
Die Frage nach dem Können kann ich nur mit dem Hinweis auf ein gutes Zeitmanagement beantworten. Hier muß sich die Projektleitung Freiräume schaffen. Hört sich einfacher an, als es ist.
Mein Fazit: Neben den Projektmanagement-Kompetenzen: Leiten, motivieren, vernetzen, führen, steuern, kommunizieren, planen und sicherstellen, darf und muss auch der Projektleiter kreativ sein. Zeitmanagement und das Wissen über, bzw. die Erfahrung mit dem kreativen Prozess, sind Voraussetzung für den Projekt-Erfolg.
Nur dumm, dass in der Lehre, Literatur und Ausbildung von professionellem Projektmanagement viel über Zeitplanung zu finden ist, aber so gut wie nichts über den kreativen Prozess!
Z.B. aus der Handelsblatt Management Bibliothek, Band 12, Seite 74
Der Projektmanager muss jemand sein, der Erfahrungen vorweisen kann, geachtet ist und in der Unternehmensspitze etwas bewegen kann. Er sollte es verstehen;
alle Aspekte eines Projektes zu planen und zu vermitteln;
mit Integrität, Feingefühl und Fantasie Motivation zu erzeugen;
aus gemeinsamer Entscheidungsfindung Produktivität und Vertrauen zu gewinnen;
zu führen – entweder durch das eigene gute Beispiel oder auch, wenn es nötig erscheint, durch die Zurücknahme der eigenen Person;
Kosten, Effizienz und Qualität ohne exzessive Bürokratie zu kontrollieren;
Dinge auf Anhieb zu meistern, ohne Sklaventreiber zu sein;
zur richtigen Zeit die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Aufgaben zu betrauen;
das Projekt mit speziellen sowie mit allgemeinen Managementtechniken zu leiten;
ein klares Verständnis für komplexe Zusammenhänge zu entwickeln.
Nix von Kreativität zu lesen. Schade!
*Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber wähle ich nur die männliche Form. Ich bitte alle Projektleiterinnen, bzw. -managerinnen um Nachsicht.

“Nur dumm, dass in der Lehre, Literatur und Ausbildung von professionellem Projektmanagement viel über Zeitplanung zu finden ist, aber so gut wie nichts über den kreativen Prozess!”
Warum wohl.
hier ist ein Buch, das auch diesen Aspekt berücksichtigt. ich hab es gerade angefangen, es ist höchst erfrischend zu lesen und beginnt mit: “wer do ideas come from?”
scott berkun “the art of project management”.
Scott hat auch eine sehr lesenswerte Seite: http://www.scottberkun.com
In vielen Kommunikationsagenturen gibt es mittlerweile die Stelle des Planers. Dessen Aufgabe besteht nicht nur in der Festlegung einer Strategie aufgrund der Forschung, sondern auch die Erstellung eines Creative Briefs. Ein guter Creative Brief benötigt Menschen, die zumindest kreative Kompetenz besitzen.
Diese von dir im Artikel beschriebene Ausrichtung nenne ich eine “horizontale Ausrichtung entlang des Prozessweges”. Ein derartiges Berufsbild erfordert nicht tiefste Kenntnisse in allen Bereichen, sondern vor allem Beurteilungskompetenz und Moderationsfähigkeit (eben wie von dir beschrieben). Eine Vertiefung der Kompetenz in der Strategie wäre erforderlich, da sie meines Erachtens der Angelpunkt ist.
Interessanterweise stelle ich gerade in den letzten Monaten fest, das diese horizontale Ausrichtung (im Gegensatz zur vertikalen Ausrichtung wie z.B. Marketing bzw. Kreation und hier unterteilt in Texter, Grafiker etc) von Kommunikationsunternehmen oder Unternehmen mit Tätigkeit in der Kommunikation verstärkt nachgefragt werden.
Man darf gespannt sein, wie es sich entwickelt.
@ Mischa: Guter Hinweis! Gibt es in Deutschland Planer, die kreativ sind, d.h. den vertikalen Prozessweg beschreiten? Ich bin der Meinung, dass eine Headline, oder eine Bildidee durchaus auch vom Planer kommen kann. Why Not?
@ Timo: Danke für den Lit. Tipp