Der Long Tail bringt uns Menschen nicht nur eine unglaubliche Vielfalt an Angeboten, sondern eben gleichzeitig auch die Aufgabenstellung, diese Inhalte relevant zu filtern. Eine ähnliche Problematik hat Dieter ja bereits beim Thema Onlinemarketing angesprochen. Hier entwickeln sich sogar schon erste Lösungsansätze. Wie erreichen wir, jeder von uns als Individuum, dass wir mit völlig unterschiedlichen Interessen genau die Themen, genau die Nische entdecken, die für uns interessant sind?
Das semantische Web ist beispielsweise ein Lösungsversuch. In dem wir in Zukunft unsere digitale Inhalte sauberer und eindeutiger taxonomieren, werden es die Suchmaschinen der Zukunft auch wesentlich einfacher haben, genau die Inhalte automatisch zu finden, für die sich Individuen auch tatsächlich interessieren.
Für mich ist aber die Frage wesentlich spannender, ob Maschinen diesen Job tatsächlich auch ordentlich ausführen können. Können Maschinen unsere Gedanken wahrnehmen? Sicherlich nicht. Daher wird es immer auch den Menschen geben müssen, die den Maschinen zunächst sagen muss für welche Inhalte man sich interessiert und welche Inhalte man bereitstellt. Solche menschlichen Filter gibt es schon en masse. Sie sind meist ein Konglomerat aus Technik und menschlicher Kopfarbeit. Bookmarkdienste wie Mister Wong oder die großartige Website-Aufspür-Maschine Stumble-Upon sind solche Beispiele, wie wir in Zukunft an die Inhalte, Informationen, Kontakte und Produkte gelangen, die uns tatsächlich auch interessieren. Ohne diese Dienste werden wir von der Macht des Long Tails einfach überwältigt. Wir brauchen diese Filter – trotz derzeitiger Belächelung aufgrund eines derzeitig fehelenden Geschäftsmodells – also tatsächlich.
Blogs und Podcasts sind übrigens ebenfalls sinnvolle Filter für digitale Angebote. Die Autoren sind meist Personen, mit denen man sich identifizieren kann, sie sind quasi Leuchttürme der digitalen Welt, denen man vertraut und von denem man ein ähnliches Interessensgebiet erwartet. Sie sind es meist, die sich intensiv mit Nischenthemen auseinandersetzen und uns wertvolle Informationen zu sonst niemals auftauchenden Ideen, Produkte oder Themen liefern können. Bisher haben die klassischen Medien diese Filterfunktion übernommen, jedoch immer mit dem Bewusstsein zum Teil auch nur die massenkompatiblen Angebote aufzuzeigen. Das neue Medium wird also maßgeblich bestimmt werden durch User generated Content mit damit verbundenen Nischen und eben diesen Filtern, die diese Flut sinnvoll zuordnen und weiterverbreiten können.
Somit haben auch wir in unserem Land und in ganz Europa die Chance, diese Aufgabenteilung zu unserer Profession zu machen. Dadurch könnten neue Jobs entstehen. Man denke an den Rechercheur, den Fachblogger, den Dealjäger oder den persönlichen Leib & Hof News-Agenten. Wir wandeln uns zusehends von der Produktions- zur Wissensgesellschaft. Wir sollten diesen Weg nun auch konsequent und vor allem konsequent gehen und so auch die große Chance nutzen, daraus neue Jobs zu generieren. Dazu benötigen wir dringend mehr Medienkompetenz in diesem Land. Dies kann nur durch die Pädagogik erfolgen. Ein Schulfach ist daher dringend erforderlich. Nicht nur im Hinblick auf den kommenden Arbeitsmarkt, sondern gerade auch in Hinblick auf den teilweise unbedachten Umgang mit unseren persönlichen Daten und den Daten unserer folgenden Generationen. Der zweite Schritt ist ein Bewusstsein zu schaffen, dass solche Kopfarbeit eben auch ihren Wert hat. Ob das nun in Form von Premiumangeboten oder Werbevermarktung stattfindet ist zunächst einmal egal. Wichtig ist der Gedankengang weg von der Kostenlos-Mentalität. Nur so profitieren wir alle gemeinsam als neue Wissensgesellschaft von den neuen Medien.
