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Beendet Allensbach den Second Life Rausch? (3)

Die Wirtschaftswoche berichtet über eine Studie des Allensbach-Institutes zum Thema Second Life. Die Umfrage sollte prüfen, inwieweit der ganze Medientrubel und die Vorhersagen des Gott 2.0 und Linden Lab Geschäftsführers Philip Rosedale die halbe Welt werde in 5 Jahren in Second Life dauerhaft aktiv sein, wirklich niet- und nagelfest sind.

Fakt Nummer 1:
Second Life war und ist kein Massenmedium.

Wenn beschrieben wird, was „Second Life“ ist, bekunden zwei Prozent der Bevölkerung großes, knapp neun Prozent nur begrenztes Interesse, Bewohner dieser virtuellen Welt zu werden.

Die Betonung liegt hier auf “Interesse bekunden”, nicht aktiv dabei zu sein. Wer also meint, die halbe Welt würde sich aktiv in der virtuellen Welt bewegen, der ist schlichtweg naiv oder einfach nur Angestellter bei Linden Lab. Wer Second Life einmal selbst ausprobiert hat, wird sehr schnell festgestellt haben, wo die technischen Grenzen und Tücken liegen. Ein ungeheurer Hindernisparcour der digitalen Art muss man zunächst hinter sich bringen um überhaupt die ersten Schritte machen zu können und selbst dann ist eine dauerhafte Nutzung nicht wirklich mackenfrei. Ein Tag ohne Absturz wird bei Dauernutzern nicht wirklich als echter SL-Tag akzeptiert. Ständige Abstürze des Systems, nervende Zeitgenossen (Griefer) und ein schlecht strukturiertes Überangebot an Inhalten machen die Bedienung der virtuellen Welt so extrem sperrig. Wer so über gar keine Grundkenntnisse im Umgang mit Computern hat, ist sowieso schon von Anfang auf verlorenem Posten. Auch die fehlende Mehrsprachigkeit des Clients behindert die Wandlung zum Massenmedium.

Fakt Nummer 2:
Trotz erheblicher Medienpenetrierung memorieren nur 31% den Begriff Second Life, allerdings nur 21% können ihn auch richtig zuordnen.

Nach der über Wochen andauernden intensiven Berichterstattung können sich immerhin 31 Prozent erinnern, schon einmal den Begriff „Second Life“ gehört zu haben; richtig einordnen können ihn 21 Prozent, von den Internet-Nutzern 30 Prozent. Doch das Interesse, sich selbst in dieser virtuellen Welt zu bewegen und dort ein zweites Leben aufzubauen, hält sich in engen Grenzen.

Auch dieses ist eigentlich wenig erstaunlich, denn nur Menschen die in irgendeiner Art & Weise eine Affinität zu diesem Thema haben, werden sich auch an die Begrifflichkeit erinnern. Das macht eine klassische Werbekampagne mit dieser Thematik ziemlich unmöglich, es sei denn man begibt sich schnurstracks zu Punkt 3 und beachtet dessen Inhalte.

Fakt Nummer 3:
Second Life ist eine Nischen-Special-Interest-Plattform mit sehr spitzer Zielgruppe.

Das Interesse konzentriert sich eng auf die unter 30-Jährigen, von denen sieben Prozent diesen Gedanken ausgesprochen anziehend finden; schon bei den 30- bis 44-Jährigen sinkt der Anteil auf nur noch zwei Prozent.

Second Life hat sicherlich auch Markenpotenzial, keine Frage. Denn wenn die User all die digitalen Strapazen auf sich nehmen um die virtuelle Welt zu bewohnen, so kann man ihnen schon mit Recht ein High-Involvement zuweisen. Sie sind mit allen Sinnen bei der Sache und zudem noch potenzielle Multiplikatoren in der Netzwelt. Denn gleichzeitig engagieren sich Second Life Bewohner parallel sowieso zusätzlich auch in der interaktiven Netzwelt – sprich nicht selten sind SL-User auch noch “nebenher” Forenbetreiber, Blogautoren oder irgendwie anders kommunikativ im WWW aktiv. Wer Second Life derzeit wohl am intensivsten bevölkert, sind demnach die “digital natives”, die Avantgarde der neuen Medien, die aber gleichzeitig eben auch wichtige Gatekeeperrollen in der Netzwelt einnehmen. Wenn ein Unternehmen diese Zielgruppe auch ihr Eigen nennen kann, so ergibt es durchaus auch Sinn innerhalb von Second Life marketingtechnisch aktiv zu werden. Keine Frage. Wer mit diesen Menschen so gar nichts am Hut hat, sollte wirklich lieber die Finger davon lassen.

Was sollten Unternehmen also fortan generell bedenken?
Second Life ist und bleibt derzeit eine Plattform für Forschung & Entwicklung im Bereich 3D-Web. Geld, dass von Unternehmen dort hinein investiert wird, hat zunächst einmal reinen Spielgeldcharakter. Ein direkter Return-on-Invest ist dabei auf die nächsten Jahre gesehen sicherlich nicht in Sicht. Man kann jetzt schon experimentieren, was vielleicht in 10-20 Jahren in der Hinsicht alltagstauglich sein könnte. Wie ist das mit dem 3D-Web? Wie funktioniert das und wer hat bereits die Erfahrungen, wenn solche Nischenaktivitäten zu Massenanwendungen werden? Das sind Fragen, die Unternehmen jetzt durch Second Life beantworten können, bevor sie meinen, sie erreichen mit ihren Botschaften über diesen Kanal Milliarden von Menschen. Wer jetzt also noch aktiv werden möchte, der sollte sich ganz genau überlegen, was, wie und mit welcher Intention er Second Life betreten möchte. Dazu bedarf es sicherlich einer guten Beratung in Sachen wahrer Ist-Zustand von Second Life und auf der anderen Seite eben auch Unternehmen mit klaren Vorstellungen, was sie denn eigentlich mit Second Life anfangen möchten.


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3 Kommentare

  1. vroni sagt:

    :-))) Schöne Untersuchung.
    Wer wird jedoch als Unternehmens-Einsteiger bei second life gleich nach dem ROI krähen (außer für die second life Betreiber vielleicht und eine gewisse Dame, die angeblich schon Geld gemacht hat da drinne, lohnt es sich freilich noch kaum), sind doch auch andere und bekanntere Web 2.0 Anwendungen von einem handfesten Geschäftsmodell, das sich rechnet, weit entfernt.

    Läster:
    Kann mir gut vorstellen, dass diejenigen Marketingtreibenden, die sowieso alles erstmal durchtesten, bis gar nix mehr an ihren Anzeigen kreativ ist (Zahlen- und Statistikfetischisten, Unsicherheits-Absicherer), auf solche Zahlen besonders negativ abfahren. Dabei sind 31 % Bekanntheit gar kein schlechtes Ergebnis. Das wenn einige hätten nach so relativ kurzer Zeit von intensiver Werbung und PR.

    Aber gut, das hält die langweiligen Mainstream-Ich-Auchs ein wenig fern, die auch im normalen Netz langweilige Websites und sinnentleerte Portale haben :)

    Nicht falsch verstehen: Ich bin im Moment alles andere als ein second life fan. Weder als User noch als Mini-Inhaber. Dafür ist es mir noch zu frickelig, zu userunfreundlich, die Avatare mit ihrer Gummihaut gefallen auch nicht jedem. Das muss deutlich besser werden. Ich frag mich nur rein philosophisch oder auch historisch, was außer technisch gesehen, den Engines, da an Inhalten wirklich neu ist: Es geht nach wie vor um Kaufen und Verkaufen, sich anonym treffen und chatten. Der Mensch wird kulturell nix Neues, keine wirklich neuen Ideen entwickeln, wenn die Rahmenbedingungen die gleichen sind, und er nicht dringend muss. Ich denke da z. B. an die Kondratjew-Zyklen: wir sind gerade im “Informations- und Kommunikations-Technik-Kondratjew”. Wir haben bereits ein Übermaß an Spiel-Technik, wozu noch mehr. Uns fehlen eher in zunehmendem Maße menschliche Kommunkationsfähigkeiten, denn die Technik dazu.

    In anderen Größenmaßstäben gedacht:
    Was die Hirne wirklich innovativ werden lässt, ist existenzieller Zwang. Wie Historiker wissen. Der Klimawandel könnte sowas sein. Er wird echte Innovationen ankurbeln, nolens volens. second life ist verglichen mit sowas (auch der Erfindung der Glühbirne oder der Dampfmaschine) nicht wirklich neu für die Menschen, es ist aus diesem großen historischen Abstand dekadente Spielerei.

  2. Patrick Breitenbach sagt:

    Natürlich ist SL ein Stück weit Dekadenz. Elektrisches Licht kann mitunter auch dekadent wirken. Egal. Das neue? Wo findet das neue statt? Natürlich in der Kommunikation mit anderen. Nun man mag es glauben oder nicht, Second Life ist eine Kommunikationsplattform. Momentan sicherlich noch durch Sex, Drugs & Rock N Roll geprägt und trotzdem ein guter virteuller Treffpunkt um auch mit weit entfernten Menschen sich mal eben lebhaft zu treffen. Klar ist das momentan frickelig und hässlich. Das war das WWW vor 10 Jahren auch noch und die Computerspiele erst… Lass uns hier nochmal in 10 Jahren treffen und das Thema aus der Retrospektive diskutieren!

  3. Andreas Schwarz sagt:

    Ich freu mich drauf demnächst ein Shop oder so im Second Life zu starten.

    http://www.GuterPlan.de – Demnächst Filialeim Second Life

    http://www.guterplan.de/hausme.....index.html

    Noch sammel ich Infos über Apelland, Grundstücke und und und

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