Fernsehwerbung war bislang nur was für große Budgets. Ein ausgeklügelter Mediaplan, ein professionelles Storyboard und eine erfahrene Produktionsfirma stellten sicher, dass nur Marken-Millionäre in bewegten, und mehr oder weniger bewegenden, Bildern werben konnten. Bei keinem anderen Medium war die Zweiklassengesellschaft von Groß zu Mittel/Klein so offenkundig wie bei der Fernsehwerbung. Das Internet löst die klassische Vormachtstellung des großen Geldes auf. Videostreaming im Web erspart dem Werbetreibenden die teuren Schaltkosten und lösen damit die Kluft zwischen Groß und Klein, Massenmarkt und Nische sowie Global Player und Tante Emma auf.
“Internet-Verbindungen werden immer schneller und günstiger – und multimediale Anwendungen im Internet immer besser nutzbar. Vor allem durch »Streaming Video«-Angebote von TV-Sendern und Video-Communities ist in kurzer Zeit ein höchst attraktives Film-Angebot im Internet entstanden.” (Fittkau&Maaß)
Diese Entwicklung hat nach meiner Einschätzung folgende Konsequenzen:
1. Kleine- und mittlere Unternehmen können nun auch mit bewegten Bildern Ihre Botschaft kommunizieren
2. Auch Filme erreichen die kleinste Nische und bringen Lichtspiele in die dunklen Ecken
3. Das Informations- und Kommunikationsverhalten des Konsumenten wird sich verändern: “bewegte Bilder sagen mehr als tausend gedruckte Worte” (lügen aber auch mehr als 1.000 Worte!!!)
4. Der Wettkampf um Aufmerksamkeit und virale Effekte im Web erfordern ein Höchstmaß an Kreativität
5. Online Werbung ist messbar
6. Virale Kampagnen sind kaum steuerbar
7. Off- und Online Kommunikation müssen klug integriert werden und konvergent funktionieren
Die Medien-Konzerne bringen sich in Stellung. Zur Zeit wird die Entwicklung des Videostreaming im Internet noch von zwei Extremen bestimmt. Auf der einen Seite hängt das Damokles-Schwert des Urhebeschutzes über den Profi-Clips. Auf der anderen Seite langweilt das zum großteil lausige Niveau der Laienfilme. Diese Probleme der Pionier- und Gründerzeit darf keine Akzeptanz kosten. Allen Bedenken zum Trotz eröffnen sich für Kleine- und Mittlere Firmen, mit speziellen Zielgruppen und oder Nischenangeboten, eine große Chance auf signifikant höhere Werbewirkung. Solange sich das Niveau noch nicht nivelliert hat, haben First Mover Vorsprung. Wir Berater und Kreative müssen uns auf die Entwicklung einstellen. Für uns heißt die Formel: “Idee schlägt Budget”. Unsere Kreativität wird messbarer. Im Grunde nichts neues, nur das Spiel ändert sich: Aus dem vermeintlich berechenbren Billiard wird ein wildes Flipperspiel! Nach Erfindung des Films um die vorherige Jahrhundertwende und der Privatisierung in den 80gern erleben wir nun die dritte TV-Revolution. Die Bilder lernen wieder laufen, nur diesmal für alle.


Hallo Herr Schneider,
sie sagen es “langweilt das zum großteil lausige Niveau der Laienfilme.” Aber eben auch das vor diesem Hintergrund “First Mover Vorsprung” haben. Frei nach der “Formel: “Idee schlägt Budget”.” haben wir uns daher gerade vorgewagt. Und daher erlaube ich mir hier ganz unverhohlen auf http://www.tischthema.tv hinzuweisen. Momentan noch im Aufbau, die ersten zwei Folgen zum Thema In-Game-Advertising und Bürgerjournalismus sind aber schon online. Vielleicht gefällt es Ihnen ja.
Besten Gruß,
Lucas von Gwinner
Danke für den Link. Es ist gut, aber die Aufmachung … Wir sind halt verwöhnt was die Bildqualität anbetrifft. Bitte diese Kritik als Ansporn sehen. Das entwickelt sich. Viel Erfolg mit dem http://www.tischthema.tv.
hier ein passender Spot zum Thema: http://www.werbeblogger.de/200.....th-worlds/