… vergleichen heißt urteilen. Mit diesem Sprichwort von Jean-Jacques Rousseau leite ich meinen Beitrag ein, in dem ich das Thema Wahrnehmung auf die Niederungen der Werbung zurückholen möchte. Die Aufgabe des Werbers heißt: “Wie wird die Werbebotschaft vom Betrachter wahrgenommen und wie schafft sie es danach von der Wahrnehmung zum Aufbau bzw. zur Veränderung von Einstellungen beim potenziellen Kunden?” Zur Definition: “Wahrnehmung ist die Verarbeitung eines Reizes durch den Empfänger”. Wir alle wissen wie klein heute die Chance für und zur Wahrnehmung ist. Aufmerksamkeit ist durch die Medienvielfalt ein hohes und teures Gut geworden. Aufmerksamkeit bedeutet Reiz-Auswahl. Die Frage, die es für uns Werber zu beantworten gilt lautet: “Welche Reize setze ich, damit das Angebot von den richtigen Menschen ausgewählt wird?” – hört sich banal an, wird aber ziemlich komplex je mehr ich versuche den Menschen, seine Bedürfnisse, sein Verhalten und seine Motive zu begreifen. Die Statistik hilft uns leider auch nicht mehr weiter, seit der Prognose-Gau vor der letzten Bundestagswahl ziemlich viel Vertrauen verspielt hat. Also müssen wir wieder selbst ran. Kunden, d.h. Menschen selbst kennen und verstehen lernen. Menschenkenntnis wird zum Wettbewerbsvorteil, unternehmerischer Instinkt zum Erfolgsfaktor und Werbung zum Außendienst. Wir müssen rauß aus unserem Mafo- und Planning-Elfenbeinturm und den Menschen “wieder aufs Maul schauen“. Mehr Praxis statt Theorie. Mehr Authentizität statt Show. Mehr Bildzeitung lesen statt Bloggen. Vergleichen, abwägen, empfinden und urteilen. Wahrnehmen heißt empfinden! Werbung ist halt keine akademische Wissenschaft, sondern ein praktisches Kunsthandwerk.


Werbung ist ganz sicher ein Kunsthandwerk, bei dem im besten Falle Sprach- und Form-Künstler mit einem Sujet so umgehen wie ein Juwelier mit einem ungeschliffenen Diamanten. Jedoch setzt dieser Gedanke voraus, dass das Sujet überhaupt die authentische Qualität eines Diamanten hat – dies ist nicht immer so. Unabhängig davon: Wie wäre es mit einer Neuen Ehrlichkeit? Dinge so mitteilen, wie man sie empfindet. Die Freiheit der Kindlichkeit suchen, die genial rüberkam, als mich meine damals 5jährige Tochter belehrt hat: “Papa, das ist nicht so, das heißt nur so!”
Wie cool wäre das, wenn wir die Epoche der “Neuen Ehrlichkeit” in der Werbung einläuten könnten. Ich bin dabei! Wer noch?
@dieterschneider:
“Es gibt nichts Gutes, außer man tut es”
Wieso nicht mal Kunden ablehnen, weil sie der “Corporate Authenticity” nicht genügen. Später kann man mal ein Buch rausgeben mit dem Titel: “Firmen, die nicht unsere Kunden wurden – WHY NOT?”.
Ich gebe zu: Das wäre eine heiße Kiste.