
Wer nicht weiß was ein Barcamp ist, sollte sich mal kurz mein Bericht zum Barcamp Berlin durchlesen. In den nächsten Beiträgen auf Buenalog möchte ich die einzelnen Sessions, die ich besucht oder geleitet habe textlich zusammenfassen.
Die erste Session zu den Themen Reputation Management und Online Identity verdeutlichte einem mal wieder, wie brach dieses Thema im breiten Bewusstsein der Gesellschaft eigentlich leigt. Welche persönliche Informationen findet man im Netz, inwieweit können diese einem in Zukunft schaden? Was passiert wenn mich jemand meiner Identität beraubt und in meinem Namen kriminelle oder diskreditierende Äußerungen ins Netz stellt. Wie gehen die kommenden Generationen mit diesem Problem um und benötigen wir nicht umgehend ein Fach “Medienkompetenz” in allen deutschen Schulen?
Denn wer heute leichtfertig Bilder, Videos und Texte im Zuge einer kleinen Jugendsünde stolz ins Netz stellt, kann 10 Jahre später bereits große Probleme bei der Arbeitsplatzsuche haben. Bewerbungen werden zigfach abgelehnt, ohne dass man z.B. mitbekommt, dass beispielsweise ein unliebsamer Suchtreffer auf Google Schuld an meiner Absage sein könnte. Das gleiche gilt auf Seite der Unternehmen. Bereits jetzt tummeln sich schwarze Schafe in der Kommunikationsbranche, die gefakte Blogkommentare platzieren um das eine Unternehmen besser, das konkurrierende Unternehmen wiederum schlechter aussehen zu lassen. Eine Kommunikationsweise, die man keinesfalls tolerieren sollte, die aber durchaus Gang & Gebe werden könnte. Wie können wir in Zukunft mit solchen Informationen umgehen? Nun die Idee war eine Art Verifizierung einzuführen, doch das ändert nichts an der Grundthematik sondern, verlagert das Problem in eine andere Richtung. Denn diese Verifizierung wird wieder von jemanden kontrolliert, gesteuert und kann auch irgendwann technisch ausgehebelt werden.
Eine weitere Fragestellung im Raum war, was geschieht bei negativer Kritik in Blogs und wie objektiv ist Wahrheit eigentlich? Dazu berichtete ich kurz von unserem Plagiatsvorwurf und erklärte, dass Wahrheit in Blogs am Ende immer subjektiv bewertet wird. Eine angegriffende Person oder Unternehmen kann sich trotz 100% Wahrheitsgehalt auf den Kopf stellen und ein Teil der Blogosphäre und Blogleser glaubt dem angegriffenen Unternehmen trotzdem kein Wort. So viel auch zum Thema Transparenz und Authentizität in Blogs.
Wichtig ist sicherlich aber auch der Punkt, dass es ohne Gegner auch keine Fans geben kann. Wenn man nicht gerade die klassische David gegen Goliath Situation vorfindet, können sich negative Kommentare von Unternehmen durchaus positiv nutzbar machen. Dazu muss man jedoch als Unternehmen offen für Kritik sein, diese wahr- und ernstnehmen und auch entsprechend darauf eingehen. Unternehmensweblogs können somit eine sinnvolle Kanalisierung von Kritik sein. Doch auch das birgt Vor- und Nachteile in sich. Der Die Bündelung der Kritik auf der Unternehmenswebsite macht die Kritik erst deutlich. Im Sinne der Oldschool-PR natürlich etwas sehr fatales. Jein. Fatal sicherlich, wenn auf die Kritik nicht sinnvoll eingegangen wird. Dann wird diese Bündelung zum “Kritiklaser” der Konsumenten und kann dem Unternehmen schon kleine bis mittlere Löcher zufügen. Doch nimmt man sich tatsächlich die Zeit und die Geduld auf derartige Kritik einzugehen, so kann man einen positiven Dopplereffekt erzeugen. Negativkritik wird – wenn sie ernstgenommen wird und man diese als Unternehmen aufnimmt – doppelt positiv vom Konsumenten wahrgenommen. Es wird ein Erlebnis mit dem Unternehmen sein, welches der Kunde sicherlich auch in seinem Bekanntenkreis weiterträgt. Was sicherlich nicht funktionieren wird: Mal eben einen Blog reinstellen.
Abschließend kann man sicherlich feststellen, dass die scheinbare Transparenz im WWW sowohl Chancen als auch erhebliche Risiken bietet. Die Chance sich selbst, als Unternehmen positiv zu präsentieren und zu kommunizieren, die Gefahr des Informationsmissbrauches, sei es aus Versehen oder bösartiger Absicht konkurrierender Menschen und Unternehmen. Ein Thema, daß eigentlich viel zu wenig Beachtung in der Gesellschaft findet und in Zukunft aber immer dramatischere Ausmaße annehmen wird.
[...] Barcamp Nürnberg: Reputation Management und digitale Identität (tags: reputation identity management barcamp nürnberg nuernberg barcampnuernberg) [...]
Hallo,
guter Beitrag! Ich hab das Thema Identity 2.0 im Rahmen von Bewerbungen mal näher beleuchtet und einige Tipps zusammengetragen. Mehr dazu gibts es auch hier: http://identity20.wordpress.com/