
Ich wurde im Kommentarbereich gefragt, an wen man sich wenden kann, wenn es um Marketing in Second Life geht. Na zum Beispiel an mich, wenn ich selbst mal keine Antworten weiß, so habe ich zumindestens Kontakte in diese Richtung, wenn es dann auch an die professionelle Umsetzung geht.
(Hier eine kurze Einführung in das Thema “Marken und Second Life” und ein Bericht der Tagesthemen)
Nun bin ich aber vornehmlich Berater und daher möchte ich ganz kurz umreissen, welche Chancen und Risiken die virtuelle Welt den Unternehmen von heute bieten können.
Chancen:
1. Second Life erfreut sich wachsender Beliebtheit. Über 1,5 Mio. Nutzer weltweit. Tendenz stark steigend. Derzeit kommen täglich 10.000 User dazu. Der Breitbandinternetanschluss fördert das Wachstum.
2. Es ist einfach plastischer. Der Unterschied zwischen einer 3D und einer 2D Performance ist immens.
3. Communities in Second Life: Hier finden Unternehmen sehr schnell heraus wo die Interessensgebiete der User liegen. Das sollte man nicht ausnutzen sondern nutzen. Denn Communities haben durchaus auch Lust mit Unternehmen in Kontakt zu treten.
4. Unternehmen können sich virtuell spiegeln. Das beginnt bei den Büroräumen geht über virtuelle Showrooms bis hin zu ganzen virtuellen Messeständen.
5. Unternehmen mit Produkten von stattlicher Größe (Autos, Häuser, Flugzeuge etc.) haben nun die Gelegenheit ihre Produkte anschaulich zu präsentieren und sie vor allem auch “ausprobierbar” zu machen (wenn auch in Grenzen).
6. Durch die Anbindung an ein echtes Wirtschaftssystem ist es möglich ganze Shoppingcenter aufzubauen. Man kann also dort nicht nur Zubehör für den virtuellen Charakter kaufen, man hat gleich auch noch die Anbindung an den echten Internetshop.
7. Das Eintauchen und umherschweifen in dieser virtuellen Welt ist extrem intensiv, da das menschliche Gehirn neue Erfahrungen macht und man wie ein Kind die Umgebung betrachtet und bewundert. Botschaften wirken somit also wesentlich intensiver.
8. Man muss ja nicht gleich ein Haus bauen oder eine Insel (Sim) kaufen. Bereits jetzt kann man Werbeflächen (die momentan noch herausstechen) buchen und besetzen.
9. Die Medienvielfalt ist enorm. Alle Medien sind theoretisch abbildbar. Nicht umsonst gibt es Live-Konzerte (z.B. U2), Zeitungen und Zeitschriften (Bildzeitung) und Kinos.
10. Sonst eher schwer zugängliche Orte kann man nun virtuell besichtigen. Somit werden Reise- und Ausflugsziele vorab begehbar.
11. Die Kreativität ist grenzenlos. Durch die Möglichkeit der freien Programmierung und der grafischen Gestaltung ist fast nichts unmöglich.
12. Momentan ist Pionierzeit. Unternehmen die jetzt einsteigen fallen natürlich entsprechend in den Medien auf.
13. Auch für Bildungseinrichtungen bietet Second Life enorme chancen. Bereits jetzt gibt es Universitätspräsenzen, Vorlesungen, Seminare und Vorträge. Die Welt trifft sich zentral in dieser Welt und tauscht sich eben auch durchaus wertvoll aus.
14. Marken zum anfassen. Nie war der breite Kontakt zur Marke enger. Es ist nur die Frage wie Marken das für sich zu nutzen wissen.
15. Der Kontakt zur 2D-Onlinewelt und zur realen Offlinewelt ist vorhanden. Second Life wird auch in eigenen Blogs, Foren und Wikis weiter thematisiert. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch TV, Radio und Print über das Leben in Second Life berichten.
Risiken:
1. Eine vernünftige Präsenz in Second Life ist nicht gerade billig. Es beginnt bei ca. 20.000 € einmaligem Aufbau und nach oben hin sind alle Tore geöffnet. Desweiteren folgen laufende Kosten, je nach Anspruch
2. Einfach mal etwas reinstellen, damit ist es nicht getan. Man braucht tatsächlich eine intensive Beratung durch Profis.
3. Mit einer bloßen Präsenz ist es nicht getan, auch diese muss innerhalb und außerhalb von Second Life bekannt gemacht werden. Desweiteren sollte man eine Verwaisung einer Präsenz vermeiden. Das heißt eine regelmäßige Betreuung (am Besten mit dauerhaftem virtuellen Personal) ist absolut notwendig.
4. Es gibt zwar viele User doch die Frage ist tatsächlich ob das dauerhaft so ist. Es schwebt immer der “Hype” im Raum, wobei meine persönliche Einschätzung so ist, dass Second Life eine feste Größe in der virtuellen Realität sein wird.
5. Auch hier droht wieder das große Rauschen. Momentan können Unternehmen punkten, da sie noch keine Konkurrenz fürchten müssen. Doch wie wird das in einigen jahren sein? Das heißt auch hier gilt besser, attraktiver und außergewöhnliche sein als die anderen.
6. Da wo enorme Technik im Spiel ist, gibt es auch Sicherheitsgefahren. Kopierwürmer und andere böse Hackerattacken machen das Leben der Second Life Bewohner nicht gerade einfach. Aber die Problematik ist ja schon aus dem E-Commerce mehr als bekannt.
7. Rechtsfreier Raum. Bisher gibt es noch keine Regeln und Gesetze innerhalb von Second Life. Die Frage ist inwieweit das jeweilige Rechtssystem in den verschiedensten Ländern da angedockt werden kann.
8. Second Life ist international. Natürlich haben global operierende Unternehmen die besseren Voraussetzungen.
9. Unternehmen sind sicherlich nicht glücklich wenn sie sich eine Insel mit Bordellen und Casinos teilen müssen. Auch da ist intensive Beratung gefragt.
10. Communities langweilen sich schnell. Daher sollte man regelmäßige Events oder Inhalte anbieten um nicht die virtuellen Tumbleweeds vor seiner virtuellen Präsenz an sich vorbeiwehen zu sehen.
11. Es gibt noch etliche technische Barrieren, die es in Zukunft zu überwinden gilt.
12. Das Zahlungssystem für User ist noch sehr amerikanisch. Bevorzugt Kreditkarte und PayPal per Aufladen.
Fazit:
Die Idee und der Aufbau von Second Life lässt nicht nur eine Fülle von kreativen Möglichkeiten zu sondern bietet eben auch entsprechende Risiken. Sicherlich ist die virtuelle Welt nicht für jedes Unternehmen geeignet. Während einer Beratung sollte man sowohl als Kunde wie auch als Berater eben auch das “abraten” in Kauf nehmen. Große Potenziale bietet Second Life sicherlich in der Darstellung und Betreuung von großen plastischen Objekten (Architektur, Reise, Maschinen), Medieninhalten (Kino, Zeitschriften, Radio, Events etc.) und serviceintensiven Projekten (Beratung, Support etc.). Durch das Novum dieser Form ist eine intensive und kompetente Beratung von entsprechenden Insidern notwendig, auch hier sind etliche Fragen noch offen. Ein Berater der alles weiß, ist sicherlich nicht ihr kompetentester Ansprechpartner in dieser Sache. Er muss jedoch in der Lage sein, dieses Wissen schnellstmöglich zu liefern.

