Werbelabor
Werbelabor

Second Life: Marken entdecken virtuelle Welten (8)

Buena la Vista in Second Life

“Du bist verrückt!” das sind so die ersten Statements die man erhält, wenn man von Second Life erzählt. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn diese Welt liegt tatsächlich außerhalb unseres realen Verstandes. Second Life (kurz: SL) ist eine virtuelle Welt erreichbar mittels einer Software (kostenloser Download) und dem Internet (Breitband wie DSL vorausgesetzt). Programmiert wurde die künstliche 3D-Welt 2003 von der amerikanischen Softwarefirma Linden Lab.

Wie kann man sich das vorstellen? Vielleicht kennen die meisten das Computerspiel “The Sims” bei denen man mit sogenannten Avataren eigentlich ein ganz normales Leben führen muss (Arbeiten, Haushalt führen, Spaß haben, Einkaufen). Dieses Grundprinzip der Avatarführung wird in SL ebenfalls verwendet. Allerdings kann man in dieser Welt wesentlich freier, kreativer und interaktiver agieren. Hier geht es nicht darum den Avatar am Leben zu erhalten, ihn zu versorgen oder ähnliches. Hier geht es um Kreation, Kommunikation und natürlich auch um Entertainment und Konsumvergnügen.

Die Mischung aus Spiel, Sozialer Plattform und virtuellem Einkaufserlebnis gewinnt immer mehr Fans, die auch bereit dazu sind, Geld darin auszugeben. (Derzeit über 1,2 Mio User) Die Welt von Second Life führt ihre eigene Währung (Linden Dollars) die aber an einem Wechselkurs mit echten Dollars angeschlossen sind. Doch ich kann in diser Welt nicht nur Geld ausgeben, sondern auch verdienen. Derzeit werden täglich ca. 500.000 US Dollar im Spiel umgesetzt. Es werden “echte” virtuelle Jobs von Verkäufer bis Türsteher, von Groupier bis Begleitdame angeboten. Sogar einige Werbe- und PR-Agenturen haben diese virtuelle Welt bereits erschlossen und bieten darin ihre Dienstleistungen an.

Das besondere an Second Life ist dessen Skalierbarkeit und der große Freiraum für Kreativität. Ich kann mit meiner Figur darin eigene Gebäude und Gegenstände bauen, Kleidung entwerfen, Ausstellungen organisieren, Filme streamen, Podcasts senden und Vorträge abhalten. Dazu braucht man noch nicht einmal Kenntnisse in externen Programmen. Second Life bietet nämlich die Funktionalität eines 3D-Programmes, mit der ich alle erdenklichen Objekte erstellen kann. Die Oberflächen (Texturen) wiederum kann man in externen Bildbearbeitungsprogrammen kreieren. Auch das Programmieren von Animationen kann direkt in Second Life erfolgen. Kein Wunder also, dass sich gerade die kreativen Designer und Entwickler in der virtuellen Welt tummeln und dort bereits geschäftlich Fuß gefasst haben. Es gibt sogar eigene spezialisierte Agenturen, die ausschließlich ihr Business in um und mit Second Life führen und das ziemlich erfolgreich.

Auch die großen Marken entdecken die virtuelle Welt langsam aber sicher als Branding-Plattform. Gerade weil das Involvement in dieser Welt so hoch ist (man taucht ein wie in ein Computergame) können sich Marken dort noch entsprechend intensiv einprägen. Auch ist die Verbreitung von Werbemitteln noch so gering, dass man momentan einfach als Marke auffallen muss.

Ich habe mal einen kleinen Rundgang gemacht und diverse Marken in Second Life besucht und fotografiert.

Da wäre zunächst American Apparel, der amerikanische Textilhersteller mit dem sozialen Touch und dem sexuell aufdringlichem Ruf. Das Unternehmen gilt als eines der 500 schnellsten wachsenden Unternehmen in den USA mit einem Umsatz von über 250 Mio Dollar (2005). In Second Life hat sich das Unternehmen eine virtuelle Filliale errichten lassen:

American Apparel

In der kann man sich nicht nur umsehen, sondern tatsächlich auch Kleidung für den Avatar, aber auch für den echten Körper kaufen kann. Witzigerweise gewährt American Apparel den Second Life Shoppern 15% Nachlass auf die Produkte in ihrem realen Online-Shop:

American Apparel

Als zweite Station stand der Adidas-Store auf dem Programm.

Adidas

Hier wird besonders der a3 microride Laufschuh gekonnt in Szene gesetzt:

Adidas

Auch die Kollegen von Reebok (RBK) haben ihren eigenen Store in SL. Dort kann man sich einen Schuhrohling kaufen und ihn dann individuell farblich gestalten. Auch hier ein hoher Grad an Interaktivität mit der Marke:

RBK

Nicht nur klassische Marken tummeln sich in Second Life, auch die klassischen Medien fassen darin Fuß. Die Nachrichtenagentur Reuters beispielsweise hat nicht nur einen eigenen Reporter vor Ort, sondern auch ein virtuelles Büro errichtet:

Reuters

Ein weiterer Vertreter der Zunft ist das WIRED-Magazine. Die Zeitschrift für Netzkultur und Trends hat eine Mischung aus Club, Lounge und Büroraum in SL errichtet und ihre vergangenen Titelbilder hängen großformatig an den Wänden:

Wired

Wired

Die Starwood Hotelkette hat gleich mal ihr gesamtes neues Hotelgebäude in Second Life virtuell gespiegelt – Arbeitstitel: A-Loft. Auf ihrer eigens errichteten Ferieninsel kann man nicht nur virtuellen Urlaubsflair genießen, sondern sich das Hotel in Ruhe von innen anschauen. Die 1:1 Nachbildung bietet also potenziellen Hotelgästen die Möglichkeit die Katze aus dem Sack zu holen.

Starwood

Starwood

Ein kanadischer Handyhersteller Telus hat sich ebenfalls hier häuslich niedergelassen:

Telus

Das sollte erstmal für den Anfang genügen. Ich werde immer mal wieder über dieses Thema berichten, zumal wir uns ja mit “Markenführung in allen Welten” im errichteten Corecon Convention Center (mehr Infos zum CC und SL hier) kurzeitig auf Citylights präsentiert haben. Dieses Konferenzzentrum wurde erbaut um diverse Veranstaltungen virtuell abzuhalten. So wurde zum Beispiel ein Webmontag veranstaltet und am Freitag den 3.11.06 wird der Werbeblogger Podcast dort live produziert. Zum ersten Mal können also Hörer sich interaktiv beteiligen.

Natürlich ist Second Life Gold- und Schlammgrube in einem. So gibt es neben der unzähligen Möglichkeiten sich als Unternehmen in der virtuellen Welt kreativ zu präsentieren auch die andere Seite des Lebens: Sex, Drugs and Rock N’ Roll. Unzählige Casinos, Bordelle, Diskotheken und Waffenhändler versuchen die Menschen zu ihren jeweiliegn Etablissements zu locken um ihnen das virtuelle Geld aus der Tasche zu ziehen. Daher entsteht auch hier ganz schnell ein großes Rauschen, in dem man sich ersteinmal aufgrund der hohen Bedienungskomplexität zurechtfinden muss. Es gibt unendlich viel zu entdecken, leider auch immer unendlich viel Müll. So kann man ziellos herumirren oder die Chance nutzen und Kontakte zu knüpfen, die schon erfahrener sind und einem an die Hand nehmen.

Faszinierend ist diese Welt allemal, auch wenn die Mehrzahl der Menschen das sicherlich nicht ganz nachvollziehen kann. Aber ich denke, ganz besonders Kreative ohne Jobperspektive haben hierbei die Gelegenheit sich künstlerisch zu entfalten und dafür auch noch Geld zu bekommen.

Links zu SL in den klassischen Medien:
presse.com
Handelsblatt
Tagesschau
ORF


Verwandte Beiträge

8 Kommentare

  1. [...] (Hier eine kurze Einführung in das Thema “Marken und Second Life” und ein Bericht der Tagesthemen) [...]

  2. [...] Die einen mögen es für verrückt halten, für Unsinn, verschwendete Zeit und Geld. Andere wiederum sind Feuer und Flamme für die vielfältigen kreativen Möglichkeiten der virtuellen Welt Second Life, die am Ende sicherlich viel mehr ist als nur ein einfaches Computerspiel. Dass große Marken bereits in Second Life eingezogen sind bzw. gerade einziehen, habe ich ja schon mehrfach berichtet. Auch internationale Agenturnetzwerke richten sich langsam heimisch ein. [...]

  3. [...] Wer mehr über die Chancen und Risiken des “2. neuen Marktes” wissen will, kann sich hier, hier und hier informieren. Oder N24 Nachrichten schauen. Oder noch besser hier einfach uns persönlich fragen. Stichworte:Marke Marktplatz N24 patrick breitenbach SecondLife Verwandte Artikel:Patrick Breitenbach: Der ExperteBarcamp Nürnberg: Quo Vadis Second Life?Virtuelle Bildzeitung in Second Life: The AvaStar Einen Kommentar schreiben [...]

  4. [...] Disziplin 3: Innovative Ideen Auch hier hatte adidas sehr oft die Nase vorn, wobei es immer ein stetiges Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Konkurrenten bleibt. Mal abgesehen von den sich immer weiterentwickelnden Produkten, betritt auch die Markenkommunikation von adidas regelmäßig Neuland. Ungewöhnliche Kooperationen mit diversen Partnern, virtuelle Markenerlebnisse oder außergewöhnlich kreative Kampagnen. Vieles funktioniert, manches geht daneben, wir sehen uns ebenfalls als äußerst experimentierfreudige Agentur und arbeiten mit Experten aus den verschiedensten Bereichen zusammen. Selbst den adidas-Store in der virtuellen Welt “Second Life” haben wir kritisch beäugt und sind der festen Ansicht, dass wir diesen konzeptionell wesentlich wirkungsvoller gestalten könnten. Innovationen finden natürlich nicht hauptsächlich in der jugendlich geprägten, digitalen Welt statt, das echte Leben mit all seinen Facetten und Altersgruppen, hat noch weitaus mehr kreativen Spielraum zur Verfügung. [...]

  5. Bogus sagt:

    Hallo ;D

    Du beschreibst sehr schön das Innenleben von SL. Manche sehen ja SL eher als Spiel, ich selber sehe es eher als Multimediaplatform. Es gibt ja unzählige Möglichkeiten sich zu verwirklichen ;D

    Auf dem Board http://www.slforum.de versuche ich Neulingen zuhelfen. Ausserdem gibts noch das GNC (German Newbies Center). Da gibts unzählige Infos zum nachlesen ;D

    Tschööö

    Bogus

  6. Hansi sagt:

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht :-)

  7. Second Life sagt:

    Der Durchbruch für Geschäftsabwicklungen in SL dürfte mit der Voice-Integration kommen, so dass Käufer und Kunden “normal” miteinander kommunizieren können.

    Um die potentiellen Kunden für die virtuelle Welt begeistern zu können, bedarf es einiger Anleitungen für das “Zweite Leben”.
    Hier kann die Toolbar von http://www.sl-toolbar.eu weiterhelfen.

    Voraussetzung für den Durchbruch der Marken in SL wird eine Haftung für das Wirtschaftssystem sein und die Öffnung der Server.

  8. Soffel sagt:

    es ist bestimmt voll lol

Beitrag kommentieren